Mannheimer Morgen 20.04.02:
Zweifel an der Finanzierung eines ICE-Bypass
SPD-Landtagsabgeordnete der Region machen geschlossen Front gegen die Mehdorn-Pläne
"Wie funktioniert das überhaupt?", fragten sich gestern die SPD-Landtagsabgeordneten aus dem Rhein-Neckar-Dreieck. Ein gutes Dutzend Volksvertreter nahm bei Ilvesheim, Feudenheim und Pfingstberg das Areal des heftig umstrittenen ICE-Bypasses in Augenschein. "Erst zwei Brücken, dann ein Tunnel unter dem Rangierbahnhof hindurch, wer soll denn diesen Aufwand bezahlen?", schüttelte Helmut Göschel (Sinsheim), verkehrspolitischer Sprecher der baden-württembergischen SPD-Fraktion, den Kopf. "Außerdem gibt das eine interessante Bauweise", meinte sein Mannheimer Kollege Rolf Seltenreich.

Ob Max Nagel (Mannheim), Günther Ramsauer (Ludwigshafen), Hannelore Klamm (Landau), Dieter Schiffmann (Frankenthal), Rosa Grünstein (Schwetzingen) oder Hans-Georg Junginger (Weinheim) - sie alle lehnen die Umfahrung Mannheims durch die künftigen Hochgeschwindigkeitszüge der Bahn AG entschieden ab. "Mehdorn pokert mit abstrusen Forderungen", schimpfte Claus Wichmann (Heidelberg). Aber die Region lasse sich nicht auseinander dividieren, auch in Heidelberg sei die Politik Partei übergreifend für einen künftigen ICE-Knoten ohne Abstriche am Mannheimer Hauptbahnhof. "Sonst stehen wir am Ende alle belämmert da", warnte Wichmann.
Auch die Bürgerinitiative "Leben statt Lärm" diskutierte gestern mit den Abgeordneten die strittige ICE-Frage. "Als Anwohner haben wir mit den Fliegern und der Autobahn genug Krach", sagte Heidi Reck. Dazu kämen die ungelösten Fragen des Landschaftsschutzes. Und auch die Landwirte zwischen Viernheim und Seckenheim machen Front gegen den Bypass, weil ihnen durch den Bau der ICE-Trasse an Mannheim vorbei schon wieder wertvolle Ackerflächen genommen würden.
Die Lösung sehen sie alle in einer Strecke für die neuen Hochgeschwindigkeitszüge durch den Lampertheimer Wald - so wie sie der SPD-Bundestagsabgeordnete Lothar Mark vorgeschlagen hat. Rolf Dieter, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Mannheim, signalisierte den SPD-Abgeordneten, dass wohl auch Südhessen auf eine Tunnel-Lösung im Bereich Lampertheim/Waldschloss einschwenken werde. Dieter: "Wenn der ICE gar nicht am Viernheimer Dreieck ankommt, gibt's auch keinen Bypass."
/tan