"Die schlimmsten Befürchtungen sind eingetroffen." Wie bei
Holger Schmid von der Mannheimer Liste ging dieser Seufzer
gestern durch die Region, als die Deutsche Bahn AG ihre
Unterlagen für die ICE-Trassenplanung bei den
Regierungspräsidien in Karlsruhe und Darmstadt einreichte.
Bahn-Chef Hartmut Mehdorn setzt also weiterhin auf eine
Neubaustrecke für Hochgeschwindigkeitszüge an Mannheim vorbei
- und die Menschen im Rhein-Neckar-Dreieck sind empört.
"Die Region ist sich einig, dass die Verkehrsanbindung
einer der wichtigsten Standortfaktoren dieses Lebens- und
Wirtschaftsraumes ist", erklären übereinstimmend Mannheims
Oberbürgermeister Gerhard Widder und der Vorsitzende des
Raumordnungsverbandes Wolfgang Pföhler. Das
Rhein-Neckar-Dreieck müsse auch künftig über den Mannheimer
Hauptbahnhof an die leistungsfähigsten Zugverkehre und damit
an die neuen Schnellbahntrassen angebunden bleiben. Da rechnen
Widder und Pföhler auch mit der Unterstützung durch
Ministerpräsident Erwin Teufel und betonen: "Er hat niemals
Zweifel daran gelassen, dass die Landesregierung von
Baden-Württemberg im Schulterschluss mit Stadt und Region die
direkte und volle Anbindung Mannheims gefordert hat." Beide
erwähnen die über 100 000 Unterschriften der Bürger bei der
Aktion unserer Zeitung für den Erhalt und Ausbau des
ICE-Knotens Mannheim.
Aber auch die Gewerkschaften gehen auf die Barrikaden.
DGB-Kreisvorsitzender Max Nagel kündigt "entsprechende
Maßnahmen" an und erklärt: "Wir können diese Entscheidung
nicht akzeptieren, die Arbeiter in den Betrieben legen großen
Wert auf die volle ICE-Anbindung Mannheims."
Der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus-Dieter Reichardt sieht
das Thema "automatisch im Bundestagswahlkampf" und fordert den
Bundeskanzler auf, "seinen Freund Mehdorn zur Raison zu
bringen". Bisher habe Schröder "zur strukturpolitisch
verheerenden Entscheidung" beharrlich geschwiegen. Fritz Kuhn,
Bundesvorsitzender der Grünen, mischt sich ein: "Eine Bahn,
die mit Hochgeschwindigkeit an den Menschen vorbei fährt, ist
verkehrspolitisch unsinnig." Seine Parteifreundin im Landtag,
Theresia Bauer, bezeichnet Mehdorns Pläne als
"Schildbürgerstreich".