Mannheim. Geht es nach den Plänen der Deutschen Bahn, fährt
der ICE-Direktverkehr Frankfurt-Stuttgart ab 2008 am
Mannheimer Hauptbahnhof vorbei. Die Regierungspräsidien
Karlsruhe und Darmstadt haben die Unterlagen für den geplanten
Streckenneubau erhalten.
Der Plan, das bestätigte die Bahn in einer Presseerklärung,
beinhaltet die Trasse, die entlang der Autobahnen A 67 und A 6
führt, Mannheim im Osten umgeht und im Süden im Bereich
Pfingstbergtunnel auf die bestehende Strecke
Mannheim-Stuttgart stößt. Auf Höhe des Viernheimer Dreiecks
ist der Abzweig über Mannheim-Waldhof vorgesehen. Auf dem
sollen, so die Bahn, dann genauso viele ICE in den Mannheimer
Hauptbahnhof rollen wie bisher. Und falls der Bedarf in
Mannheim steige, werde die Bahn als Wirtschaftsunternehmen
entsprechend reagieren, sagte DB-Sprecher Martin Walden auf
Anfrage.
Die Region protestiert heftig gegen diesen so genannten
Bypass. Sie befürchtet, Mannheim könne als ICE-Knoten
geschwächt oder auf lange Sicht sogar ganz vom ICE-Verkehr
abgehängt werden. Zur Stellung des Rhein-Neckar-Dreiecks sagte
Bahnsprecher Walden: "Die Bahn kann als bundesweit tätiges
Unternehmen nicht dem Anspruch auf schnellere und direktere
Verkehre über mittlere und lange Distanzen gerecht werden und
gleichzeitig auf regionale Ansprüche zur Zufriedenheit aller
eingehen."
Die beiden anderen Streckenvarianten, die über den
Mannheimer Hauptbahnhof führen und von der Region favorisiert
werden, habe die Bahn geprüft und "der Vollständigkeit halber"
auch bei den Regierungspräsidien eingereicht. Der "Bypass"
ermögliche den größtmöglichen Fahrzeitgewinn, bedeute
geringste Eingriffe in die Natur und stelle sich als die
wirtschaftlichste Variante dar, so die Bahn.
Die geplante Trasse bedeute nicht zuletzt die Entlastung
der bestehenden Strecke, was dem Nahverkehr zugute komme.
Walden: "Das ist ein erheblicher Vorteil für diese Region."
Die Entlastung des Nahverkehrs auf der alten Riedbahn, die an
der Kapazitätsgrenze sei, ist laut DB überhaupt ursächlich für
die Planung einer neuen Schnellbahntrasse gewesen.
Ausgelegt für Tempo 300, werde die neue Trasse die etwa 75
Kilometer zwischen den Hochgeschwindigkeitsstrecken
Köln/Rhein-Main und Mannheim-Stuttgart verbinden. Die Fahrzeit
von Stuttgart nach Frankfurt reduziert sich nach DB-Angaben
dann von jetzt 79 auf rund 60 Minuten.
Die fünf Aktenordner mit den Bahn-Plänen, die heute bei den
Behörden eingegangen sind, würden in den kommenden sechs
Wochen auf ihre Vollständigkeit geprüft, teilte das
Regierungspräsidium Darmstadt mit. Danach beginne das
Raumordnungsverfahren, in dem das Projekt unter anderem auf
seine Umweltverträglichkeit und die Auswirkungen auf den Raum
hin untersucht werde. Die Bahn schätzt, vorbehaltlich der
Ergebnisse von weiteren gesetzlichen Genehmigungsverfahren,
die neue Strecke bis 2008 fertig stellen zu
können.