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Stadt möchte nicht nach St. Florian handeln
Bürgermeister und Erster Stadtrat nehmen zur ICE-Diskussion Stellung / Anbindung der Region hat höchste Priorität

Von unserem Redaktionsmitglied Lothar Zuther

Viernheim. Die Diskussionen um den Neubau der ICE-Strecke zwischen Frankfurt und Stuttgart bewegen seit über einem Jahr die Gemüter in der Region. Bürgermeister Matthias Baaß (SPD) und Erster Stadtrat Martin Ringhof (CDU) machten gestern in einer gemeinsamen Pressekonferenz deutlich, dass man in Viernheim keineswegs nach dem so genannten St.-Floriansprinzip handeln möchte.


Höchste Priorität - so erklärten beide übereinstimmend - habe die zukünftige Anbindung der Region insgesamt an den nationalen und internationalen Schienenverkehr. Die Anbindung an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz über den Hauptbahnhof Mannheim sei für die wirtschaftliche Entwicklung von entscheidender Bedeutung. "Dies muss bei der Diskussion über eine Trassenführung an vorderster Stelle berücksichtigt werden", heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier.

Gegenüber dieser Grundposition will man in Viernheim die Beeinträchtigungen für Mensch und Natur genau abwägen. Um die Attraktivität des Schienenverkehrs für die Zukunft zu erhalten oder zu erhöhen, seien Nachteile unvermeidbar und müssten hingenommen werden. Diese sollten aber in einem angemessenen Verhältnis zu den Vorteilen andererseits stehen, sind sich Baaß und Ringhof einig.

Am liebsten wäre es beiden natürlich, die Bahn würde die so genannte Bypass-Strecke, die Viernheim unmittelbar und damit mehr als andere Varianten tangieren würde, gar nicht erst bauen. Kommt der Bypass aber, dann wären wesentliche Bereiche im Sport- und Erholungsgebiet West (Schrebergärtner, Kutschengilde, Feuchtbiotop) zumindest für die Dauer der Bauzeit erheblich betroffen. Ringhof: "Es ist eine Illusion, zu denken, dass das alles ohne Beeinträchtigungen abgeht."

Die beiden Viernheimer Dezernenten möchten erst nach einer Gesamtsicht der Planungen die Vor- und Nachteile einer Trassenführung für einzelne Gemarkungsgebiete betrachten und gegenseitig abwägen. Ziel für die einzelnen Kommunen sollte sein, auch die jeweils mögliche Beeinträchtigung auf andere Bereiche in der Region mitzusehen und zu berücksichtigen. "Nur dann ist es möglich, auch über einzelnen Kommunen hinaus zu einer möglichst einvernehmlichen Haltung der Region zu gelangen. St. Florian ist unser Prinzip nicht", betonte Baaß.

Deutlich wiesen der Bürgermeister und der Erste Stadtrat im Zusammenhang mit der öffentlichen Diskussion von Nachteilen bestimmter Routen darauf hin, dass auch die geplante Strecke quer durch den Wald entlang der Autobahn nördlich des Viernheimer Dreiecks und durch das Sport- und Erholungsgebiet West zu erheblichen Eingriffen für die Menschen in Viernheim und deren natürlicher Umgebung führen würde. Unter anderen wären, wie bereits erwähnt, ein Wasserschutzgebiet und intensiv genutzte Erholungsbereiche der Bevölkerung betroffen. Baaß und Ringhof ließen keinen Zweifel daran, dass eine überirdische Trassenführung nicht akzeptabel sei, sollte eine Trassenvariante über Viernheims Gemarkungsgebiet führen. In diesem Zusammenhang erwähnten sie einen entsprechenden Beschluss der Stadtverordneten-Versammlung.

Für diesen Fall möchte die Stadt ferner Überlegungen in die Planungen einbinden, die über die Trassenführung für den ICE hinaus zu einer Verbesserung der Verkehrsanbindung in verschiedenen Bereichen (Umgehungsstraße West, Anbindung Rhein-Neckar-Zentrum) führen könnten.

Die Stadt Viernheim begrüßt, dass auch der Trassenvorschlag des Raumordnungsverbandes Rhein-Neckar (ab Lorsch in Richtung Südwesten und direkt auf Mannheim zu) vom Regierungspräsidium Darmstadt in die Abwägung unterschiedlicher Planungsvarianten einbezogen wird. "Dadurch ist eine Gesamtbeurteilung aller verschiedenen Streckenvarianten möglich", betonte Baaß abschließend.