Seckenheim. Nein, die Seckenheimer wollen sich nicht passiv
verhalten, sondern agieren. Das jedenfalls ist das Ergebnis
einer Bürgerversammlung. Heidi Reck und Silvia Thiermann
hatten die Initiative ergriffen und dazu eingeladen, nachdem
in der Nachbarschaft die Bedenken gegen die Trassenführung der
ICE-Strecke Frankfurt-Stuttgart, direkt an Seckenheim vorbei,
immer lauter und zahlreicher geworden waren.
Im überfüllten kleinen Saal des Vereinshauses legten Heidi
Reck und Stadtrat Wolfgang Raufelder dar, dass die Belastungen
der Bürger durch die Autobahn, die nach dem Ausbau noch mehr
frequentiert werde, und durch den erheblich gewachsenen
Fluglärm bereits eine Zumutung darstellten. Zwar soll das
Thema Fluglärm weiter verfolgt werden, an diesem Abend ging es
aber primär um die ICE-Trasse. Die soll nicht zwischen
Seckenheim und der Autobahn "hineingequetscht" werden, da
dadurch nicht nur die Lebensqualität der Anwohner von
Seckenheim-West erheblich leiden würde. Auch der Grünzug und
die Äcker entlang der Autobahn mit ihremn
Naherholungscharakter würden verschwinden. Es sei toll, dass
viele tausend Mannheimer für die Anbindung des Hauptbahnhofes
- was dem Seckenheimer Wunsch entspricht - per Unterschrift in
der "MM"-Aktion votiert hätten, sagte Raufeld. Juristisch aber
nütze das nichts. Es müssten zu den "amtlichen" Terminen
innerhalb des gesamten Verfahrens Einsprüche eingelegt
werden.
Rasch war klar, dass man organisiert vorgehen muss, um
wirkungsvoll Stellung beziehen zu können. Auch die Fristen,
die im Raumordnungsverfahren und in der Planfeststellung zu
beachten sind, könnten so effektiver genutzt werden, war zu
hören. Es stimmte die Anwesenden nachdenklich, was ein
offensichtlich gut informierter Landwirt prophezeite. Er
befürchtet nämlich, dass der Druck der Bahn auf die Stadt, die
sich bisher gegen eine Strecke an Seckenheim und damit am
Mannheimer Hauptbahnhof vorbei ausspricht, massiv zunehmen
werde. Dazu würde die Bahn der Stadt Mannheim verschiedene
Benachteiligungen in Aussicht stellen, um dann doch
"einzulenken", etwa jeden zweiten ICE durch Mannheim zu
führen, "nur" jeden zweiten vorbei. Als Bonbon werde dann noch
etwa eine ICE-Haltestelle Maimarkt oder Mannheim-Arena in
Aussicht gestellt, um so die Stadtpolitiker "auszutricksen".
Damit würde die Strecke an Seckenheim vorbei gebaut, denn die
Politiker könnten diese Konstellation als "Verhandlungserfolg"
vorweisen.
"Nein" sagte dazu Stadträtin Marianne Seitz, die sich klar
für die ICE-Strecke über den Mannheimer Hauptbahnhof
aussprach. "Diese Position vertreten alle Mannheimer Parteien,
und auch der Bundestagsabgeordnete Lothar Mark argumentiert so
in Berlin", erklärte zustimmend Bezirksbeirat Klaus
Keuerleber. Raufelder zeigte sich zuversichtlich, dass er die
Grünen-Fraktion in Berlin überzeugen könne, mit der Strecke
nicht Seckenheim zu belasten, zumal es andere und preiswertere
Lösungen gebe. Ein Gremium, bestehend aus beiden
Initiatorinnen und Vertretern von CDU, Grünen und SPD, soll
die Gründung einer Bürgerinitiative vorbereiten, die sich am
22. November konstituieren wird. hat